SinnEssLust 20x20

An der Hand der Mutter, damals, vor dem Schaufenster der Konditorei: zarteste Zuckerhörnchen, aus denen die Vanillecrème dick und süss auszufliessen drohte; saftige Kirschen auf Schokospitzen und Sahne, so viel Sahne zwischen Wolken von fluffigem Hefegebäck … Wo genau liegt das Verlangen? In der Körpermitte, im Gaumen, zuhinterst an der Zunge oder vielleicht dort, wo ich es in meinen Kindertagen wähnte – tatsächlich im Herzen? Fürwahr steht es heute noch fast still beim Anblick von mit allerlei Leckerbissen und Köstlichkeiten gefüllten Platten; vor Achtung, vor Vorfreude, vor zehrendem Begehren, was weiss ich. Und dann, der erste Biss, dieser unwiederbringliche Moment, in dem sich das Verlangen auflöst in schiere Befriedigung, eine so tiefe, erfüllende, wahrhaftige Befriedigung, dass das nichts anderes sein kann als - Glück.

Cornelia Heynen-Igler

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