In den Sommermonaten 2013 habe ich angefangen, jede Woche ein Bild auf dieser Seite zu veröffentlichen. 

Menschen stehen seit Jahren im Fokus meiner Arbeiten. In der Regel sind es Menschen in Alltagssituationen: Beim Friseur, im Restaurant, an der Bushaltestelle, auf der Parkbank ... Bei aller Vielfalt bin ich fasziniert vom Verbindenden: Egal ob fröhlich, nachdenklich, selbstvergessen, eitel oder hoffnungsvoll - alle sind wir doch auf der Suche nach ein bisschen Glück und Liebe im täglich schneller werdenden, oft oberflächlichen Fluss des Lebens.

Die Bilder sind in der Grösse 20x20 cm, Mixedmedia inkl. feinem weissem Rahmen mit Schattenfuge erhältlich. Falls Sie ein Bild  erwerben möchten, senden Sie mir bitte eine Mail mit der Wochenzahl und dem Bilduntertitel. 

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Bild der Woche 312: Viel Geburtstag zum Glück

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Bild der Woche 312: EnergieEnde

 


Bild der Woche 311: Schwarzweiss geht immer

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Schwarzweiss geht immer

Gar reizvoll sind sie anzusehen, die Geissen und Böcke, wenn sie glöckchenbimmelnd durchs Dorf trotten, immer munter ihrem Hirten nach, der den Hals vor den Augen der Staunenden vor lauter Stolz schon fast genauso langziehen kann wie seine Ziegen. Zäh sollen sie sein und genügsam, die «Kühe der kleinen Leute», und spendabel noch dazu: Ohne gross zu meckern, liefern sie Wolle, Leder, Fleisch und Milch, auch wenn Letztere, pur genossen, nun nicht jedermanns Sache ist. Dafür ist der Käse – Fromage de chèvre – umso exquisiter, denn so eine Geiss hält schon etwas auf sich, die lässt sich nicht lumpen, ja seht ihr das denn nicht? Die Walliser Schwarzhalsziege zum Beispiel besticht in edlem Tuch: Schwarzweiss geht immer, das nennt man dann zeitlose Eleganz, nur, dass diese Geiss nichts von Retro hält, sondern ungestüm zur Avantgarde vordrängt. Denn vor den Augen der Züchter will die Schwarzhalsziege vor allem eins: mit Schönheit und – nein, nicht mit Zartheit, nicht mit Anmut – mit Robustheit trumpfen! Yin und Yang, Mann und Frau, Schwarz und Weiss in einem, das macht die postmoderne Geiss aus, deren Vorfahren der Rede nach vor tausend Jahren aus dem tiefen Afrika ins sonnengeküsste Wallis eingewandert sind. Ob legal oder illegal, ist nicht verbrieft, aber in der Zwischenzeit ist sie top-integriert, die tschäggeti Afrika-Stämmige, sodass sie mittlerweile als waschechte Walliserin durchgehen kann. Aber eine Geiss, die überall auf der Welt zu Hause ist, lässt sich von Pässen jedweder Art nicht schrecken: Schliesslich wurde sie gemacht, um Grenzen zu überwinden und sich auch im Unwirtlichen sprungbereit zurechtzufinden. Demnächst wird sie im Übrigen ihre Kusinen im Südsudan besuchen, die ihrerseits von den stolzesten Ziegenhaltern gehütet werden, die man sich nur denken kann: von ehemaligen Kindersoldaten, die so ihre Familien tatkräftig unterstützen. Im Rahmen dieses Projekts der Médecins sans frontières können sich die kriegsversehrten Kinder und Jugendlichen gar zum Tierzüchter ausbilden lassen. Ja, Ziegen vermögen Leidenschaften auszulösen, hüben wie drüben, und drüben vermögen sie noch mehr als das: schwer traumatisierten Kindern das Vertrauen in die Zukunft und vor allem in sich selbst wiederzugeben, denn dass Tiere von der Menschenseele zuweilen weit mehr verstehen als die Menschen selbst, das schläckt nun mal kei Geiss wäg. 

 

Naters, 24. Juni 2019

Text: Cornelia Heynen-Igler  www.igler.ch

Bild:  Helga Zumstein www.atelierzumstein.ch


Bild der Woche 310: Tête à tête

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Bild der Woche 309: Lass mich heute (e)chauffieren!

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Bild der Woche 308: Reanne und Minka

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Bild der Woche 307: Hör mal Hair

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Bild der Woche 306: Nach mit die Ginflut

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Bild der Woche 305: Geborgenheit

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Bild der Woche 304: von Robotern und Co.

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Sie hat schlecht geschlafen, und schuld daran ist nicht nur der «winzige» Whiskey Sour, zu dem Lena sie gestern Abend noch überredet hatte. «Hey, es ist Freitag, die wartende Geliebte kannst du nächste Woche wieder geben!», hatte Lena auf dem Nachhauseweg gerufen und sie in einen dieser bunkerähnlichen, schwarz gestrichenen Clubs hineingezogen, in denen sogar die Türsteher und Barfrauen wie Models aussehen. Ivy kam sich wie ein Trampel vor inmitten all des in künstlichen Lichtern aufblitzenden Partyvolks, dessen Gier nach Geliebt-, nach Erkanntwerden die Atmosphäre zum Vibrieren brachte. Schwerfällig, als wöge sie Tonnen, blieb Ivy mit ihrem Drink auf dem viel zu hohen Barhocker sitzen, während Lena auf der Tanzfläche mit ihren langen Armen und Beinen die gleichen ekstatischen Bewegungen ausführte wie schon vor einem Vierteljahrhundert im Jugendzentrum. Irgendwann begann die Freundin zwischen zwei jungen, bärtigen Typen zu tanzen, aufreizend und fordernd, wie es ihre Art war, und Ivy bestellte sich noch einen Drink. Sie, Ivy, interessierte sich nicht für Männer, die ihre Söhne hätten sein können, sie wollte einen richtigen, einen ausgewachsenen Mann, so wie Tom einer war. Nur, dass der schon eine Frau hatte, eine, die er liebte, wie er sagte, auch wenn Ivy ihm das nicht recht glauben konnte. Jedenfalls zog Ivy, trotz aller Unbill, die Rolle der Geliebten jener der Ehefrau noch vor; sie war die Wissende, die Begehrte, und die andere die Angeschmierte. Ivy bestellte sich noch einen Drink und betrachtete all die perfekt zurechtgemachten jungen Frauen um sich herum, die bei der kleinsten Berührung in ihre künstlichen Bestandteile – Nägel, Wimpern, Brüste – zu zerfallen drohten. Wie unwirklich schöne Roboterwesen, schiesst es Ivy heute Morgen durch den Kopf, als sie sich nach dem Duschen wieder antriebslos aufs Bett setzt; ihr brummt der Schädel, und das Morgenlicht fällt schrill durch die Ritzen der Jalousien.  Wo hat sie nur das Buch von Toms Frau – einer angesehenen Wissenschaftlerin – über Roboter und künstliche Intelligenz hingelegt? Da, es liegt immer noch unberührt auf dem Nachttischchen. Tom hatte es ihr gebracht, voller Stolz auf seine kluge Frau, und Ivy hätte es ihm am liebsten an den Kopf geworfen, aber gesagt hat sie nichts. Jetzt schnappt sie sich das Buch und beginnt darin zu blättern. In Zukunft, schreibt Toms Frau, würde man den besten Sex mit Robotern haben, weil die alle Wünsche auf Knopfdruck erfüllen könnten. Zudem würde man sich all das erschöpfende Drumherum ersparen; Roboter müsse man nicht beeindrucken, nicht hofieren, nicht überreden, ja man müsse nicht einmal mit ihnen verhandeln. Ivy starrt auf das Cover, wo ihr Toms Ehefrau kühl entgegenlächelt, ganz die kompetente, nüchtern kalkulierende Wissenschaftlerin, und auf einmal beginnt Ivy zu ahnen, dass die einzige Angeschmierte in dieser Geschichte niemand anders als sie selbst ist. 

Text: Cornelia Heynen-Igler

 

 


Bild der Woche 303: vertraute Seilschaft

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Bild der Woche 302: Frieda und Marie

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Bild der Woche 301:Marie und Frieda

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Bild der Woche 300: m Ende ergibt alles einen Gin

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Bild der Woche 299: oh happy day

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Bild der Woche 298: Du kannst nicht immer 17 sein

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Bild der Woche 297: Take away

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Bild der Woche 296: 

 

«Kein Mann ist es wert, dass du ihm eine Träne nachweinst», hatte ihr Ella, ihre Grossmutter, schon als kleines Mädchen eingebläut. Ich weine Marc nicht nach, widersprach Karin der Grossmutter im Stillen, obwohl die doch schon lange tot war. Sie sah die alte Dame noch vor sich, wie sie draussen auf der Veranda mit ihrem unvermeidlichen Hut auf dem Kopf und mit hochgelegten Beinen in einem ihrer tausend Bücher las. Ella las alles wild durcheinander – Schundromane, Weltliteratur, Biografien –, Hauptsache, Liebe kam darin vor. Die Seiten dazwischen überblätterte sie unduldsam. «In den Büchern ist die Liebe viel schöner als im richtigen Leben», pflegte Ella zu seufzen, was Karin als Teenager in unkontrolliertes Gelächter ausbrechen liess. Wie recht sie doch hatte, schoss es Karin jetzt durch den Kopf, während sie auf ihr Handy auf dem Küchentisch starrte. Sie hatte Marc unzählige SMS geschickt, die er nicht einmal gelesen hatte. Warum rief er nicht an? War er zu feige, um ihr ins Gesicht zu sagen, dass er sie nicht mehr treffen wollte? Dabei hatte sie das doch schon in jenem Augenblick gewusst, als er vor fünf Tage durch diese Tür hier gegangen war. Hatte sie etwas falsch gemacht, in der Liebe? Während ihrer Treffen im Café wohl kaum; sie tue ihm gut in ihrer «jungmädchenhaften Art», hatte er mehrmals zu ihr gesagt. Überhaupt, wie er redete. Sie verstand oft nicht, was er meinte, wenn er über Kunst oder Philosophie oder Politik sprach. Auf einmal musste sie an Matteo, den Kellner von der Pizzeria, denken. Nie zuvor hatte sie ein Mann im Bett in einen derart rauschhaften Zustand versetzt. Er war schön, dieser Matteo, und er hatte wissende Hände … Aber sobald es vorüber war, wollte sie ihn so schnell wie möglich wieder loswerden; sie hatte ihm nichts zu sagen, er interessierte sie nicht. Karin starrte auf ihr Handy. Wie hiess dieses Kinderlied nochmal? «Dä Hans im Schnäggeloch», fing sie an zu summen, und während sie vor sich hin summte, dachte sie, dass sie eines Tages so enden würde wie ihre Grossmutter, die in ihren Büchern unablässig nach der Liebe gesucht hatte, weil sie ihr im richtigen Leben nie begegnet war. 

 

Text: Cornelia Heynen-Igler 


Bild der Woche 295: 

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Es war schon kurz vor Mittag, als er – übernächtigt und im zerknitterten Anzug – nach Hause kam. Claire stand vor der weiten Fensterfront und blickte auf den See hinaus. Sie trug einen dunkelblauen Hosenanzug, in dem sie noch schmaler wirkte, als sie ohnehin schon war. «Kein Apéro heute?», murmelte er, weil ihm nichts Besseres einfiel und weil sie immer schon am Vormittag trank, wenn sie keinen Dienst hatte. Sie drehte sich um. An ihren blanken Augen erkannte er, dass sie vollkommen nüchtern war. «Und, war’s schön?», fragte sie ihn mit einem Gemisch von Bitterkeit und Herablassung. Wie immer ersparte er ihr und sich selbst die Erniedrigung, das Offensichtliche abzustreiten. Er liess es einfach im Raum stehen, es änderte ja nichts zwischen ihnen. Sie ging zum Bücherregal und nahm ein Buch in die Hand. «Irgendwann werden sie vorbei sein, deine Bettgeschichten», sagte sie mehr zu sich selbst als zu ihm, «dann werden wir es wieder gut miteinander haben.» Wir hatten es nie gut miteinander, dachte er, indem er sie wortlos ansah, aber wir können ohne einander nicht sein. «Wer ist es diesmal», fragte Claire wie nebenbei, während sie in dem Buch blätterte. «Nicht wichtig», entgegnete er, indem er an Karin und an die uninspirierte Knutscherei letzte Nacht dachte. Nein, Karin würde er nicht wiedersehen, das wusste er bestimmt. Sie hatte etwas sonderbar Anschmiegsames an sich, was ihn eher abstiess als anzog. «Woran denkst du?», hörte er Claire sagen, und er entgegnete: «An nichts». Das stimmte nicht. Er dachte an die Unbekannte vor dem Café heute Morgen und an ihre langen, prachtvollen Beine. Er dachte, dass die Frau bei all ihrer offenkundigen Eleganz etwas Wildes, Ungebändigtes ausgestrahlt hatte. Er dachte an ihre Schenkel unter dem geschlitzten Kleid und daran, wie er behutsam die Riemchen von ihren hochhakigen Sandalen lösen würde. Er dachte, dass er sie wiedersehen würde. Er wusste zwar noch nicht wie, aber es war unausweichlich.  

Text: Cornelia Heynen-Igler 


Bild der Woche 294: Das Kräuterbad

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Was stimmte nicht mit ihr? «Du riechst nach … nichts», hatte ihre Schwester als Kind einst überrascht ausgerufen, indem sie an Karins blossem Arm schnüffelte wie ein Tier. «Nicht nach Schweiss, nicht nach Seife, ja nicht einmal nach dir!» Vielleicht vermochte sie die Menschen deshalb nicht für sich einzunehmen, dachte Karin, während sie ihren nackten Körper in dem moosgrünen Badewasser teilnahmslos betrachtete. Weil sie nach «nichts roch». Weil in ihr nichts Zwiespältiges, Abgründiges war. Wohl war es das, was Marco an Frauen anzog, in erotischer Hinsicht, zumindest.  Dass er sehr viel erfahrener war als sie – abgebrühter, dachte sie - hatte sie in seinem Blick gesehen. Sie holte tief Luft. Das Badewasser roch künstlich nach Fichte. Sie hätte in der moosgrünen Brühe versinken können, wenn sie an den gestrigen Abend dachte. Wie sie Marco zu sich hoch geschleppt hatte, obwohl er einen müden Eindruck machte. Wie sie ihn in auf dem Sofa hatte warten lassen, während sie sich im Bad in hauchdünne Seide warf. Wie sie in dem Fummel tapsig auf ihn zugegangen war wie eine Striptease-Tänzerin bei ihrem allerersten Auftritt und unter seinem prüfenden Blick Schritt für Schritt zerfiel … «Meinst du, das sei eine gute Idee?», fragte er, als sie endlich vor ihm stand. «Hast du eine bessere?», erwiderte sie gurrend, so als hätte sie ein Tonband verschluckt, auf dem eine andere Frau redete, eine, die verführerisch war und wusste, was sie wollte. Die Frau setzte sich auf Marcos Schoss und umschlang ihn mit Armen und Beinen wie ein schönes, gieriges Gewächs. Sie begann ihn zu küssen und zu streicheln und küsste ihn, bis ihr Mund ganz wund war und ihre Haut lichterloh brannte. Die seine aber blieb kalt, eisig kalt, und als er ging, sah sie, dass er nicht einmal seine Jacke ausgezogen hatte.

 

Text: Cornelia Heynen-Igler 


Bild der Woche 293: Koffein

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Nach der gestrigen Nacht brauchte er jetzt einen doppelten Espresso. Zum Wachwerden, und weil er nachdenken musste. Er kam sich mit seinen 56 Jahren vor wie ein Pennäler, der mit einem Mädchen rumgemacht hatte und nun nicht wusste, wie’s weitergehen sollte. Karin hatte ihn gestern Abend nach dem Essen noch zu sich «auf einen Kaffee» gebeten, und nur schon aufgrund dieser tantenhaften Formulierung wäre er am liebsten nach Hause gegangen. Aber dort wartete wohl schon seine Frau mit dem Whiskeyglas in der Hand auf ihn, und darauf – auf ihre whiskeyseligen Aggressionen – hatte er noch weniger Lust als auf Karins tapsige Annäherungsversuche. Sie war ja auch irgendwie einnehmend – «herzig», fiel ihm immerzu ein – in ihrer mädchenhaften Schwärmerei für ihn, und natürlich schmeichelte es ihm, von einer deutlich jüngeren Frau hofiert zu werden. Und doch: Für seinen Geschmack fehlte Karin in ihrer harmlosen Hübschheit das, was ihn an einer Frau elektrisierte. Aber vielleicht wurde er einfach auch nur alt, und darum war er gestern nicht übers Knutschen hinausgekommen … Da, ein Café, endlich. Just davor sass eine Frau mit langen, überschlagenen Beinen und einem Gesicht, das er sich merken würde. Über ihrem eleganten Kleid trug sie eine wie in der Eile übergeworfene Windjacke, und ihr Haar sah ungekämmt aus. Vielleicht war sie ja auch gerade auf dem Heimweg von einer verunglückten Liebesnacht. Hoffentlich, dachte er, hoffentlich verunglückt. Er hätte alles dafür gegeben, um mit seiner Hand durch ihr dichtes Haar zu fahren und mit seinen Fingerkuppen ihre Kopfhaut zu liebkosen. Auf einmal musste er grinsen: Nein, alt war er noch lange nicht.

Text: Cornelia Heynen Igler


Bild der Woche 292: Good news 

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Eigentlich war sie nicht sein Typ. Er mochte herbe, eigensinnige Frauen, so wie Claire eine war. Oder gewesen war, bevor sie zur Heldin der Kranken mutierte und vor aller Welt die aufopfernde Herzspezialistin gab. Niemand von denen hatte auch nur eine Ahnung von ihren Abstürzen und Ausbrüchen, und das würde auch so bleiben, solange er die Scherben hinter ihr wegwischte. Die Frau, die er vor ein paar Wochen in einem Café in der Altstadt kennengelernt hatte, war das Gegenteil von Claire. Karin hiess sie, und sie arbeitete in einem Anwaltsbüro gleich um die Ecke. Er hatte erst gar nicht begriffen, was sie von ihm wollte, als sie zu ihm an den Tisch trat. «Die Zeitung», wiederholte sie auf seine zerstreute Frage hin, und er bemerkte erstaunt, dass sie errötete. Er reichte ihr amüsiert die Zeitung, die er eben zu Ende gelesen hatte. «Trinkst du einen Kaffee mit mir?», fragte er sie, während sie mit der Zeitung vor ihm stand, linkisch, unbeholfen, so ganz anders als die Frauen seines Alters, mit denen er ab und zu kurze, aber heftige Affären hatte. Er machte sich nichts aus jüngeren Frauen; er mochte dieses Piepsige, Puppenhafte nicht an ihnen. Claire war zwei Jahre älter als er, und sie hatte ihm als Siebzehnjährigem die Liebe beigebracht, auf ihre ungehemmte, fordernde Art. Vielleicht konnte er sie deswegen nicht verlassen: weil sie seine erste Frau gewesen war, und weil ihr keine jemals das Wasser hätte reichen können. Er liebte sie, trotz allem, auf eine zermürbende, fast verzweifelte Art, und daran würde auch diese Karin nichts ändern, am allerwenigsten sie. 

Text: Cornelia Heynen-Igler


Bild der Woche 291: Donnerstagabend, kinderfrei

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Sie weiss nicht mehr, wann es anders geworden ist zwischen ihnen. Als das Kind kam, vielleicht. Aber dann, als das Kind grösser wurde, konnte es einmal pro Woche bei ihren Eltern übernachten, immer donnerstags, manchmal auch samstags. Sie sehnte sich die ganze restliche Zeit über nach dem Donnerstag, auch wenn sie diesen oft am liebsten mit sich allein im Bett verbracht hätte, lesend, fernsehend, einerlei. Heute war wieder Donnerstag, und wie stets hatte sie sich sorgfältig zurechtgemacht, den Tisch hübsch gedeckt, Musik von Mahler aufgelegt. Ralf liebte Mahler, zumindest früher war das so. «Was für eine kleinbürgerliche Show du da bloss wieder abziehst!», hatte er vorhin beim Nachhausekommen gerufen, indem er seine Mappe krachend fallen liess. Sie erkannte an seiner Art zu sprechen, dass er nicht mehr nüchtern war; vermutlich war er auf dem Heimweg noch in ein, zwei Bars eingekehrt. Wortlos hatte sie ihm ein Glas Rotwein gereicht, sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit ihm in diesem Zustand zu streiten. Aber statt mit ihr anzustossen, war er mit dem Glas ins Nebenzimmer gegangen, wo er ruhelos auf und ab tigerte. Von Zeit zu Zeit tippte er hektisch auf seinem Handy herum oder hielt es sich ans Ohr, um Nachrichten abzuhören. Wie mager er geworden ist, schoss es ihr durch den Kopf, während sie ihn vom Esszimmer aus beobachtete. Ihr taten die Füsse weh in den hohen Schuhen, und sie wäre gern ins Bett gegangen. Aber dann hätte sie ihn allein lassen müssen, und so weit war sie noch lange nicht.

Text: Cornelia Heynen-Igler


Bild der Woche 290: Botox ist auch keine Lösung

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Bild der Woche 289: Street Parade

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Woche 288: ziemlich beste Freunde

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Woche 287: Café

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Woche 286: Immersion oder "zufriedener Engel"

 

Wer sich, wie Martina, die Kunst zum Beruf gemacht hat, darf keine Angst vor den grossen Fragen haben, auf die es keine Antworten – oder nur unendlich viele – gibt. Was ist Kunst, was Schönheit, und wo ist der Sinn? Dem Unvorstellbaren Form verleihen, das Unaussprechliche skizzieren, dem Überirdischen Raum geben – all das kann und darf die Kunst. Und wer, wie Martina, eine Sprache für das gefunden hat, was man eigentlich gar nicht in Worte fassen, sondern nur sehen, spüren, empfinden kann, schlägt Brücken von unschätzbarem Wert – im Dienst der Kunst, vor allem aber in jenem des Betrachters. Wahrnehmen allein ist der Kunst zu wenig, und Erkenntnis? Ein hehres Ziel!

Text: Cornelia Heynen-Igler 

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Woche 285:  Geissenverkehr

Morgens und abends geht eine Herde Schwarzhalsziegen durch die Bahnhofstrasse von Zermatt.

Dann ist Geissenkehr .

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Woche 284: Neubeginn